Hans Wirsching Iphöfer Kronsberg Chardonnay aus alten Reben.

das Schönste am regelmäßigen Genuss von Wein sind Überraschungen. Und gerade der Moment in dem sich zeigt, wohl wieder einmal etwas außergewöhnliches gefunden zu haben, steigert unwillkürlich das Vergnügen. Nicht selten hat ja der Erwerb eines Tropfens aus bisher unbekanntem Haus etwas erfreulich erregendes und die Wahl etwas von Glücksspiel!

Zu einem besonderen Genuss wurde nun ein Chardonnay aus alten Reben vom Iphöfer Kronsberg in Franken. Winzer Hans Wirsching ist Mitglied im VDP. Er hat ihn 2018 geerntet. Ein Wein, der schon im Augenblick des Öffnens verblüfft. Denn sofort wird die Nase mit einer ersten Brise schwungvollstem Duft nach knackig frischem Wein belebt. Sogar der Weg von der Flasche ins Glas wird von einem Zauber begleitet, der die Begierde nach dem ersten Schluck nur noch mehr steigert. Sofort stellt sich in der Nase der Eindruck von sanften Aromen wie nach gelben Früchten ein. Diese Eindrücke wie von Aprikose und Quitte zeigen sich seidig und sanft, Leichtigkeit schwingt in diesem Duft mit, auch der Eindruck wie von milden Blüten. Das Beobachten und Riechen erzeugt schon beim Bewegen des Weines im Glas unwillkürlich ein Gefühl von Heiterkeit. Dieser Chardonnay zeigt sich sofort als vergnüglicher Gefährte für einen herrlichen Abend. So frisch und munter ist ein Solcher selten. Zu oft schon wurde der Griff zu dieser internationalen Rebsorte, besonders wenn sie aus weit entfernten Ländern stammen, zum reuevollen Missvergnügen. Auch Weine können adipös sein! Und Chardonnays sind es leider viel zu oft. Ganz anders dieser: So klar und fein glänzt er am Gaumen. So herrlich ausbalanciert in Frische, Säurespiel, seiner Tiefe und Klasse. Mit seiner Frucht, die so herrlich schlank und sportlich wirkt und rein gar nichts überladenes hat, zaubert er mit seinem aromatischen Glanz eine Sonnigkeit, daß jeder Schluck eine Freude ist. Da sind Eindrücke von knackigen Birnen, leichten Kräutern, auch etwas Klang wie von Maiglöckchen. Eine feine, bei aller Cremigkeit auch würzige Art, die Vital wirkt ohne Ernsthaftigkeit einzubüßen. Auch der sanfte phenolige Klang am Zungengrund ist mit der lange anhaltenden Erinnerung an warme Rauchnoten Wellness für den Gaumen. Flasche leer! Überraschung gelungen!

Chardonnay: die badische Antwort

2019 Andreas Männle Chardonnay Spätlese trocken Lagenwein

Zu einem Erlebnis besonderer Art wurde die Verkostung eines Chardonnay’s aus dem badischen Durbach.

Herrliche Orangenblüte im Duft, Karamell mit vanilliger Basis in Nase, viel Frische obendrüber.

Auf Zunge und Gaumen an gelbe Früchte erinnernd. Und vor allem: für einen Chardonnay in Spätlesequalität, Gott sei’s getrommelt und gebaßgeigt: herrlich frisch, reichhaltig buttrig, aber ohne fett zu sein. Erfreulich heiter im Auftritt und ohne jegliche Billigkeit. Weit davon entfernt (was ihn von vielen Chardonnay’s dieser Welt unterscheidet), breit, laut oder vulgär zu sein. Opulenz in Elegant.

Ein großer Spaß im Glas!

Nummer 5 lebt!

Diskretion ist in diesen Tagen ein hohes Gut. Es muß ja nicht gleich alles über sämtliche Kanäle in die Welt geblasen werden. Auch bei Weinen, die Cuvées sind, ist das so. Eine wunderbar geheimnisvolle Cuvée ist nämlich in erster Linie dazu da, Freude zu bereiten, und das jenseits von Sortenspezifikationen. Es ist nicht nur eine Kunst, zwei oder mehrere Sorten miteinander so geschickt zu vermählen, um damit wieder eine Einheit zu erzeugen, sondern viel schöner ist die Tatsache, daß glückliche Sorten-Kombinationen meist auch neue geschmackliche Vorzüge ergeben.

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Laufener Altenberg No5 Edition Nebbiolo trocken und Weißwein Réserve

Aus dem tief im Süden gelegenen Laufen, einem sehr fruchtbaren Flecken im anmutigen Markgräflerland, erreichen mich zwei Weine, die einen Kommentar geradezu herausfordern. Beide sind am Laufener Altenberg gewachsen und stammen von Winzern ebenda .

Der Weißwein aus der „No.5 Edition“ hat gleich einen würdevollen Auftritt in bedeutungsschwerer Glasumschließung. Er entstammt dem Jahrgang 2013, glänzt messingfarben hell und duftet für sein Alter erfreulich vital. Sechs Monate im kleinen Eichenholz sind zwar sofort vernehmbar, schweben aber eher unaufdringlich über der Oberfläche. Gleich zeigen sich feinherbe Aromen wie von Liebstöckel, rauchige Noten sind mit dabei, aber auch frische Ideen wie von Limette sind riechbar. Nach einiger Zeit der Öffnung auch reifere Anklänge wie von Waldhonig. Die Erinnerung an süße Butter rundet den Eindruck ab.

Im Mund zeigt er sich sofort mit forschem Ton. Seine Schläfen sind zwar schon etwas grau meliert, zeigen aber noch immer einen Typ in den besten Jahren. Sofort seriöses Schimmern am Gaumen, recht maskulin kommt er daher, mineralisch dicht, mit nussigem Unterbau, buttrig auch hier, sogar etwas Pfeffer, entfernt Kräuter. Eine wirklich interessante Cuvée, Sorten-, bzw. Sortengewichtung unbekannt! Diskret eben. Aber allemal ein Hingucker.

Der Rotwein ist eine Seltenheit in Baden. Aus 2011 (!) ein Nebbiolo (!!). Aus Baden (!!!). Eine Rebe, die bekanntermaßen im Piemont daheim ist, die aber in den Böden, wie es sie im Markgräfler Land gibt, gleichermaßen beste Wachstumsbedingungen vorfindet.

Farblich ein Fest. Granatrot mit violetten Reflexen. Im Duft ein Festival! Auch hier wieder die Erinnerung an süße bis herbe Kräuter. Rosmarin, Lavendel, auch Veilchen.

Ganz anders aber der Geschmack: sofort viel Feuer! Kein Softie, sondern Marke! Noch lange kein Höhepunkt in Sicht, also noch immer im Wachstum: trotz strammer Gerbstoffe eher sanft bei herber Frische. Deutlich Cassis! Auch Holunder. Glüht im Mund. Edles Temperament! Leuchtet lange; ein Wein ganz ohne Nebel!

Diesmal kein Geheimnis: sondern Nebbiolo. Schnörkellos, maskulin. Erfreulich direkt. Ein Statement! Etwas, was in die Welt geblasen werden muß… Diskretion? Fehlanzeige….

 

Vorarlberger Camembert ist allemal ein Beitrag wert!

Da wo Kühe noch glücklich sind ist Vorarlberg! Vielleicht ist die großartige Berglandschaft am vorderen, westlichen Ende Österreichs ein Grund dafür. Es könnte nämlich sein, daß die Luft dort ein bisschen reiner und die Wiesen etwas saftiger sind als anderswo. Auf jeden Fall anders sind dort ein paar grüne, auf etwa 900 Metern Höhe gelegene Weiden Bürserbergs, oberhalb von Bludenz.

Mitten in satten Grün dieser Hochlagen sind nämlich Steinmonumente zu finden, die teils in Kreisform oder als Linien aufgestellt sind. Zwischen 5000 und 1900 vor Christus haben da wohl Ur-Vorarlberger Großes bewegt. Überzeugt ist man heute in Bürserberg von geomagnetischen Eigenschaften, die von den Formationen ausgehen sollen. Mag sein, daß sich diese auch auf das Verhalten der Kühe auswirken. Nach persönlichen Beobachtungen beim profilbesohlten Bergbegängnis grasen die Kühe dort zwar nicht aufgeregter als anderswo und auch beim Vorgang des Widerkäuens läßt sich keine besondere Verhaltensauffälligkeit feststellen. Daß aber die Kühe die Neigung haben, sich meist gerade innerhalb der teils weitläufigen Steinkreise auszuruhen, macht dann schon nachdenklich.

Beeindruckend ist jedenfalls die Idylle dieser Umgebung, in der man über die sorgfältig angelegten Reihen und Kreise dieser nicht selten über zwei Meter großen Steinen staunt. Vielleicht ist die Milch der dort weidenden Kühe auch deshalb eine besonders hochwertige.

Spätestens aber bei der Verkostung der Endprodukte, die nur wenige hundert Meter oberhalb auf der Tschengla-Alm meisterhaft erzeugt werden, wächst der Eindruck, daß die äußeren Bedingungen wohl schon mehr als günstig sind. Jedenfalls wird der Käse, der an dieser Stelle gewürdigt werden soll, nicht nur vom Ruhm des fertigkeitsreichen Käsers umweht, sondern er macht auch den Zauber seiner Herkunft schmeckbar.

Ein solcher kam mir kürzlich bei einer Weinprobe vor Augen, Nase und Mund. Und sofort konnte er den Eindruck der Besonderheit bestätigEdwins-Camemberten: „Edwins Camembert“, im Geschmack cremig-dicht, sahnig und reif, mit milder, nussiger Anmutung ist qualitativ eine frappierende Ausnahme unter Käsen dieser Art. Beachtliche 55% Fett in der Trockenmasse leisten da natürlich geschmackvollen Vorschub. Die Rinde aus Edelschimmel ist appetitlich fest, duftet reif und empfiehlt sich als souveräner Begleiter von sehr fruchtigen bis kernigen weißen, aber auch milden roten Weinen.

Es zeigt sich hier, genau wie bei Wein auch, daß glückliche Umstände in der Natur, vielleicht sogar von geomagnetischen Besonderheiten unterstützt, gesunde Tiere und letztlich eine liebevolle, handwerkliche Perfektion die Voraussetzung für höchsten Genuß sind. Und schon sind in Vorarlberg nicht nur die Kühe glücklich!

http://www.vorarlbergkaese.at/137-betriebe/78-feinkerei-edwin-berchtold

Kirsch-Burgunder für´s Gemüt!

Dem Schwarzwälder Menschenschlag sagt man nach, er sei neugierig und tüftelt gerne. Er folgt seinem Instinkt, er liebt die Natur und hat Sinn für Schönes. Außerdem mag er es, wenn etwas nicht nur schön, sondern auch nützlich ist. Wenn es dabei einmal nicht um Feinmechanik (wie bei Kuckucksuhren) oder Genuss (wie bei Kirschtorte) geht, kümmert er sich gern um die Erhellung seines Gemütes. Deshalb gibt es im Schwarzwald, wie kaum irgendwo, Destillerien und Kleinbrenner, die wirklich Gemüts-Erhellendes zu Tage fördern.

Chriäse Wien (Schwarzwälderisch für: Kirschen-Wein!)

Chriäse Wiin  Likörwein aus Durbach

Alexander Danner ist ein Schwarzwälder Brenner und Winzer aus der Mitte Badens, der neugierig ist und gerne tüftelt. Das macht er in Durbach inmitten traumhaft gelegener Weinberge und üppigen Obstwiesen. Die Erzeugnisse seiner Brennerei und des familieneigenen Weingutes spiegeln seinen Sinn für besonders unverstellte Weine und Sekte wider. Alle sind von handwerklicher Präzision geprägt und in ihrer Natürlichkeit so originell wie der Winzer selbst.

Nach langem Tüfteln und Probieren ist ihm jetzt ein Meisterstück badischer Genusskultur gelungen. Mit seinem Chriäse-Wiin, das ist der aus dem Französischen beeinflußte Dialektbegriff für Kirsche (franz.: = Ceries), vermählt Danner gekonnt die Vorzüge seines maischevergorenen und deshalb so wunderbar tiefen Pinot-Noirs aus besten Lagen mit der hochfeinen, dichten Süßigkeit der echten Schwarzwälder Herzkirsche. Diese wird gleich zweimal gebrannt und dann als Destillat auf den Wein abstimmt. Danach folgt ein Jahr der Reifung im Barrique.

Seine Farbe ist mit einem Purpur mit violetten Reflexen ausgestattet, die auch Danners Rotweine so glänzen lassen. Über dem Glas schwebt der wunderbar feine Duft von bestem Kirschsaft, der von der warmherzigen Natur des blauen Spätburgunders, weich und diskret, mit feinen Vanilletönen und dunklen Beerenaromen sehr harmonisch getragen wird. Im Gaumen leuchtet er erfreulich fruchtig,  ohne dabei süß zu wirken. Selten schmeckt der Schwarzwälder Klassiker, nämlich das Kirschwasser, so rund und fein wie in dieser herzlichen Umarmung von blauem Burgunder. Die geschmackvoll gestaltete Steingutflasche bewahrt den Inhalt bestens und sorgt auch äußerlich für einen recht authentischen Auftritt. Herrlich ausgetüftelt, das Ganze!  Gemütserhellung inclusive.

Valpolicella mit Grandezza!

Speri, St. Urbano Valpolicella

Speri St. Urbano Valpolicella DOC Superiore

Speri Sant´Urbano Valpolicella D.O.C. Classico Superiore 2011

Freunde aus Mailand haben Wein mitgebracht. Als Geschenk! Zwei Flaschen Valpolicella St. Urbano. Sie priesen ihn mit sonorer Stimme und mit bedeutungsvollem Augenrollen. Mir wurde ganz feierlich zumute. Zurecht! Lange keinen solch tollen Rotwein getrunken. Sattes Rot, ein bisschen violette Reflexe. Mokka, Kaffee, Rosinen im Duft. Leichte Schärfe, Pflaume, eingelegte Früchte. Sehr fein! Im Mund funkelndes Cassis, dunkle Schokolade, viel Süß-Kirsche. Enorme, weiche Tiefe. Sauerkirsch im sehr langen Nachhall. Fruchtige Erinnerung an Johannisbeere. Sauber, Brillant. Ein großer Italiener, ein großes Geschenk!

Die Familie Speri aus Pedemonte in der Nähe von Verona pflegt die Valpolicella-Kultur mit hingebungsvoller Präzision. Der verkostete St. Urbano wird von Hand geerntet. Die Trauben lagern noch 20 bis 25 Tage auf Holzsteigen und trocknen dort gut belüftet etwas ein. Dann wird zehn Tage bei konstanten 20 bis 24 C° bei täglicher Bewegung der Maische auf der Haut vergoren. Erster Ausbau im 500 Liter Holzfaß und anschließend 18 Monate in Allier-Eiche.

Der St. Urbano ist ein Valpolicella D.O.C. Classico Superiore von exquisiter Natur. Zwei Ripasso aus dem Hause Speri warten noch auf ihren Auftritt. Meine Stimme wird sonor und ich rolle bedeutungsvoll mit den Augen. Mir wird ganz feierlich zumute…

speri.com

Charmant und Stolz: Weingut Polz!

Mal wieder Glück gehabt! Eine zufällige Anwesenheit zur richtigen Zeit am richtigen Ort (nach einem Abendessen in einem Slow-Food Restaurant in Österreich), hat mir die Einladung zu einer spontanen Teilnahme an einer kleinen Weinprobe zwischen Winzer und Gastronom und damit eine Begegnung mit Walter Polz ermöglicht. Er betreibt mit seinen Brüdern Erich und Reinhold und mit Neffe Christoph ein klassisches Familienweingut südlich von Graz, unmittelbar in Grenznähe zu Slowenien im Ort Spielfeld in der Südsteiermark.

HG Sauvignon Blanc

HG Sauvignon Blanc

Bei Winzerpersönlichkeiten wie Walter Polz beeindrucken mich neben ihren Professionen in Weinan- und –ausbau auch immer ein wunderbar feiner Geist und die stets profunde Lebenszugewandtheit. Die Arbeit geht mit Idealismus von der Hand und das Genießen soll im Dasein aber auch nicht zu kurz kommen. Der Charme ist immer mit dabei und der Humor sowieso. Ganz österreichisch also, in schönster Form!

Die Reben werden im Familienverbund bewirtschaftet. Auf den Lagen Grassnitzberg, Hochgrassnitzberg, Theresienhöhe und Obegg wachsen Morillon, Sauvignon blanc, Welschriesling, Zweigelt, Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon und Pinot Noir.

Dieses Sorten-Repertoire spiegelt sich auch in einer beeindruckenden Vielfalt im Angebot wider. Das sinnvoll gestaltete Sortiment wirkt vielversprechend und macht neugierig. Besonders Artikel der Serie Steirischer Spiegel, die diversen ersten und großen Lagen oder zum Beispiel ein Sekt vom Muskateller zeugen von hauseigener Unternehmungslust.

Probiert haben wir (unter wirklich sehr vielem anderem) die Leitsorte des Weingutes, nämlich einen Sauvignon blanc „HG“ für Hochgrassnitzberg aus 2012, der sagenhaft erfrischend rund riecht, nach Holunderblüten und dessen Nektar. Schwarze Johannisbeere, ein bisschen Paprika, auch Weinbergpfirsich. Ein bisschen Weihrauch für die katholischen Gemüter. Im Gaumen präsentiert er sich mit weicher Textur, sehr geschmeidig fühlt er sich im Mund an. Er ist wunderbar ausbalanciert in Struktur, Mineralität und fruchtiger Anmutung. Der Alkoholgehalt ist mit 13,5 Vol% zwar nicht überraschend hoch, im Wein ist seine Kraft aber super eingebettet. Der Wein wirkt frisch und charmant. Er ist sympathisch, sauber, richtig! Ganz österreichisch also, ganz Walter Polz eben.

http://www.polz.co.at

Piemont 2014 Beste Böden für Barbera, Entdeckungen bei Lionello

Wie wichtig Böden für das Erscheinungsbild eines großen Weines sind, wird bei Poderi Rosso Giovanni in Agliano Terme erneut deutlich. Der etwa 12 Hektar große Betrieb mit nur etwa 60.000 Rebstöcken steht in besten Hügellagen rund um Agliano auf mergelhaltigen Böden mit Sandaufschlüssen. Er ist schon im Pliozän (vor 5,3 bis 2,6 Mio. Jahren) entstanden. Diese eigentlich kargen Böden bilden die Grundlage für Weine voller überzeugender Geradlinigkeit. Sie haben Mumm und Saft, sind kernig, echt und stolze Vertreter ihrer Art. Gleichermaßen sind sie aber von geradezu umwerfender Liebenswürdigkeit. Meiner Beobachtung, daß manche Weine in Wesen und Format ihren Erzeugern in hohem Maße ähneln, wird in diesem Beispiel wieder einmal Nahrung gegeben.

Lionello Rosso

Lionello Rosso

Der überaus sympathische Inhaber Lionello Rosso baut um das Piemontesische Agliano in erster Linie beachtliche Barberas an, deren Rebstöcke nicht selten älter als er selbst sind. Sogar auf Bestände, die sein Vater schon vor über 50 Jahren gepflanzt hat, kann er zurückgreifen. Er empfängt uns in seinem gepflegten Barrique-Keller und öffnet mit der Kellertür nicht nur den Blick in seine Wirkungsräume, sondern wir dürfen auch erleben, wie sich seine emotionale Bindung zu seinen Weinen anfühlt. Er spricht von ihnen in einer wunderbar zärtlichen Weise. Wenn er über die Arbeit im Weinberg und im Keller erzählt und dabei seine Begeisterung mitteilt, dann tauchen umwillkürlich Überlegungen auf, die einen Umzug nach Italien und einen Broterwerb innerhalb seines Weingutes zum Inhalt haben.

Seine Pläne für die Zukunft sind ambitioniert und haben in den Qualitäten, die er erzeugt, auf jeden Fall eine sichere Basis. Denn bei seinen Weinen herrscht ein klares, vollkommen sauberes Sortenbild vor. Die Weine kommen im Typus recht sportlich daher, glänzen mit frischen und arttypischen Noten in der Nase und spielen im Gaumen mit brillantem Funkeln auf.

Seine fünf Weine haben wir probiert.
Zuerst seinen sogenannten, einfachen „San Bastian“ Barbera d’Asti aus 2013, der trotz seiner Jugend schon locker trinkbar ist und nicht nur wegen der geringen Säure großen Spaß macht. Er hat nicht im Holz gelegen und zeigt deshalb nüchterne, pikante und recht ungeschliffene Seiten. Sie machen ihn zu dem quirligen Italienischen Barbera, wie man ihn typischer kaum findet.

Sehr interessant ist die Verkostung zweier Weine derselben Lage aus 2011 und 2012. Seine beiden „Cascina Perno“ Barbera d’Asti Superiore, die er nach dem gleichen Prinzip mit 70% Barrique-Lagerung und 30% Edelstahl ausgebaut hat, zeigen im Duft herrliche Erinnerungen an Gewürze wie vom Jahrmarkt, nämlich Lebkuchen und Magenbrot. Auch Lakritz, Zimt und Anis sind dabei, natürlich Vanille. Auch fruchtige Anteile wie von Brombeere, zurückhaltendes Cassis und etwas Himbeeren finde ich.
Beim 2012er Exemplar muß noch die besonders herausragende Kakao-Note hervorgehoben werden. Die Weine sind überaus elegant und geschmeidig im Gaumen und zeigen große Persönlichkeit. Sie sind sehr warm und hallen auffallend lange nach.

Aus 2012 haben wir einen ebenfalls noch sehr jungen und fast ungestümen „Carlinet“ Barbera d’Asti Superiore im Glas. Die Trauben kommen aus einer seiner hochgelegenen Lagen, die inzwischen 57 Jahre alt ist. Trotz naturbedingt geringerem Ertrag erfahren die Reben manuell aufwendige Ausdünnungsmaßnahmen.
Die Weine sind herausragend Komplex in Farbe, Duft und Geschmack. Ein hohes Gut! Der schonende, sorgfältige Ausbau tut sei übriges. Reiche Nase nach Kakao-Pulver und rohem Kakao, auch Amaretto. Leicht alkoholisch im Ausdruck, Heidelbeeren und wunderbare Veilchen über allem. Ein Fest! Groarrr! Gut gebrüllt, kleiner Löwe! Äh, hüstelhüstel: Lionello!!!

Die Überraschung ist der „Infine“ Monferrato. Ein Rotwein aus 2011, 60% Barbera, 40% Cabernet Sauvignon. Er hat prächtige 14,5 Vol% und lag ein Jahr im Barrique. Lionello empfiehlt ihn zur Lagerung noch weiterer 4 bis 8 Jahre. Ich finde daß es sich lohnt, ihn auch noch länger zurückzulegen. Infine bedeutet zwar „endlich“. Aber von einem Ende ist da noch nichts zu sehen. Es sei denn, es sind die Bestände im Weingut gemeint.

Im Blick herrschen dunkles Rot mit violetten, fast blauen Tendenzen vor. Deutliche Noten von Paprika und Pfeffer, gehörige Strenge in der Nase. Viel raues auf der Zunge. Aber über der Basis von Pepperoni, kraftvollen Beerennoten und stürmischen Tanninen mit allerlei würzigem Leuchten, knurrt und rumort es im Gaumen, es rumpelt und speit Feuer. Es bizzelt, knuspert und knistert, die Lunte ist gelegt und brennt. Man weiß nur nicht genau, wie lange diese Lunte ist und wann es dann endlich knallt! Aber knallen wird es! Irgendwann! Infine! Finito!
Ich sage vorher Bescheid!
Versprochen!

http://www.poderirossogiovanni.it

Piemont 2014 Besuch zwischen zwei Welten: Luigi Penna

Nicht zu wissen wo man hingehört, ist für sich genommen meist eine Tragik, die nicht genug beklagt werden kann. Entweder man versauert in Selbstmitleid oder man versucht seine innere Haltung erfolgreich zu renovieren!

Die Gebrüder Penna, die mit Ihrem 13 Hektar-Betrieb nahe Alba zu Hause sind, haben das Pech, weder zum Anbaugebiet Barbaresco noch zur Weinregion Barolo zu gehören. Ihre Reben liegen nämlich genau zwischen beiden, in früheren Zeiten gezogenen Bereichsgrenzen. Dieser Umstand bedingt leider, dass die Weine trotz gleichwertiger Qualität nicht dieselben Preise erzielen können, wie das zum Beispiel die Winzer von nebenan der Fall ist. Jene profitieren vom Bekanntheitsgrad ihrer Anbaugebiete. Als Herkunftsbezeichnung führen die Pennas deshalb eben „d’Alba D.o.c.“.

Penna, kleiner Barrique-Keller

Penna, kleiner Barrique-Keller

Mit bemerkenswert fröhlicher Haltung tragen die Herren Penna und die Witwe des Namengebers diesen sprichwörtlichen Graben in ihrer Geo- und Biographie. Die Weine sind denen abseitiger Winzer, wie ich finde, ebenbürtig und seien hier schon wegen des überaus günstigen Verhältnisses der Leistung zum Preis sehr empfohlen.

Die Weine dieses Hauses sind Klassiker der Region: Barbera, Dolcetto, Nebbiolo. Etwas Arneis für die Freunde von Weißem. Auch der Moscato ist ein Gedicht (6,40 € !).

Verkostet habe ich u. a. den Nebbiolo aus 2010. Markiges Aroma von heißem Teer, aber bei super Frucht-Bukett von dunklen Beeren aller Art auch Leder und Tabak in der Nase. Reichlich gehaltvoll ist er und immer noch sehr jung am Gaumen, kommt aber schon mit sicherem Schritt über die Rampe.

Highlight ist der 2011er Barbera d’Alba d.o.c. N’Giolina „16“ Special Edition. Ein Wein, wie er konzentrierter (16 = 16 Vol%) und freilich kraftvoller nicht sein könnte. Die Barbera-Freude stellt sich (nicht nur des Alkoholes wegen) dermaßen schnell ein, daß man rasen könnte. Grund sind angenehm rauhe Noten von Cassis, viel aromatischer Rauch und ein solch intensiver Veilchenduft, als passiere man eben eine Gruppe fröhlich quietschender Klosterschülerinnen.

Die Brüder Penna sind grundehrliche Wein-Handwerker ohne jegliche Manieriertheit. Es ist zu spüren, daß ihnen der Fleiß und die Treue zur Natur wichtig sind. So arbeiten sie auch. Die Liebe zum heimatlichen Boden, zu den Reben und ihren Weinen lassen sie vergessen, daß sie nicht nur zwischen zwei Welten, sondern mitten drin im Leben stehen.

Übrigens zahlt man für Weine von der Qualität wie denen von Penna & Figli rundum ab 20 Euro. Ihr Barbera N’Giolina kostet zehn!

http://www.pennaluigi-figli.it

Piemont 2014 Die Böden um Agliano Terme

Mineralgestein beim Weingut Villa Terlina

Besuch beim Weingut Villa Terlina ( http://www.villaterlina.com ) von Dr. Paolo Alliata mit Familie. Etwa 10 Minuten südlich von Asti. Vier glänzend ausgearbeitete Barberas kennengelernt. Die Weine sind von verblüffend perfekter Handwerkskunst geprägt. Verkostet haben wir u. a. einen 2009er „Gradale“. Schnurgerade in der geruchlichen Erscheinung. Dunkle Beeren sowieso, perfekt eingebundenes Holz (und das bei über 30 Monaten Lagerung!), sanfte Tabakaromen, Leder, natürlich auch florale Noten wie von Veilchen. Am Gaumen hell und würzig. Vollkommen sauber in der Stilistik, stark mineralisch. Appetitliche Tannine klingen mit wunderbar ausbalancierten Aromen wie Cassis, Granatapfel, Heu, Kräutern, Anis, Vanille. Dunkle Schokolade. Minutenlanges (!) Schwingen nach dem Schlucken.

Paolos Weingärten stehen auf mineralischen, meterdicken Verwerfungen, die in Abbrüchen fast schon Bergkristallen ähneln. Diese bilden die Grundlage für die jahrzehntealten, im übrigen stark nach ökologischen Prinzipien erzogenen Reben und für die Weine, die, wie ihr Schöpfer selbst, für aufrichtige, konsequent angewandte Handwerkskunst und herausragender Sachkenntnis geprägt sind. Seine Weine sind Abbild seines feinen Wesens und seiner klaren, unaufdringlichen Persönlichkeit.

Piemontreise 2014

Herrliches Wetter, kein Wölkchen am Himmel. Alles perfekt für eine Woche mit Baberas und Barbarescos. Erster Besuch bei Boffo in Barbaresco. Weine (2011 und 2012) sehr gerade, kaum Schmelz. Aneis in dieser Saison zwar kernig in Säure und mit stark ausgeprägter Mineralität. Mir fehlt aber etwas das Gesicht. Auch der Barbera blickt streng drein und schmeckt auch so. Sehr sauber ist er, glasklar in der Stilistik, aber mit wenig einladendem Gestus. Nebbiolo ebenfalls raspelhart am Gaumen. Alle Weine sind gehaltvoll und bleiben lange schmeckbar. Handwerklich sind sie perfekt gemacht. Das Lächeln fehlt ihnen aber.

2012 Dakapo Rotwein Spätlese trocken Weingut Josef Huber Bottenau/Baden

OLYMPUS DIGITAL CAMERASchon über den Namen habe ich gestaunt. Denn bisher war mir der Begriff Da Capo nur aus der Musik bekannt. Immer dann, wenn etwas, was besonders schön war, gleich nochmal gespielt oder gesungen wird, heißt es: Noch einmal! Bei den Arien von Bach zum Beispiel, also immer, wenn etwas gut gelungen ist und wenn man nicht genug davon kriegen kann.

Als Rebsorte handelt es sich bei Dakapo um eine Kreuzung von Deckrot mit blauem Portugieser und scheint für jene genau richtig zu sein, die fruchtbetonte, nicht zu schwere rote Weine mit opulenter Dichte lieben.

Aus Bottenau, einem Paradiesgarten mitten in Baden, unweit Offenburg, mit Reben, Wald und Obst, erreicht mich ein Wein diesen Namens vom Weingut Josef Huber. Einem kleinen, sehr sympathischen Familienbetrieb, der schon seit 1791 Weinbau betreibt. Josef Huber pflegt mit Sohn Thomas einen handwerklich sauberen Ausbau frei von Allüren oder Extravaganzen. Die Weine sind natürlich, unverstellt, meist von barocker Anmutung und stets von harmonischer Textur. Außerdem sind alle auf ihren natürlichen Restsüßewert durchgegoren und werden so abgefüllt.

Der Dakapo-Rotwein zeigt zunächst schon optisch sinnliche Qualitäten. Tief Samtrot bis violett liegt er im Glas. Der Duft zeigt Mandeln, Schokoladencreme, würziges Nadelholz, Pflaume. Erinnerung an Marzipan. Im Mund sofort kernig. Harmonisch im Gaumen, milde Säure. In den Gerbstoffen ist er noch etwas grün. Sie wird dem Wein aber bei der Reife helfen. Im Gaumen Kakaopulver und Tabak. Obwohl er eine Kraft von 12,5 Vol% auffährt, erscheint er recht drahtig und schlank.

Meine Auffassung, daß Weine manchmal wie ihre Kellermeister erscheinen, wird deshalb hier erneut bestätigt. Josef und Thomas Huber sind beide Männer wie Bäume, beide über 1,90 und mit Händen wie Schaufeln. Schaffig, wie man in Baden sagt, und mit einem bodenständigen Humor ausgestattet. Sie tun gerne, was sie tun. Sie lieben die Arbeit mit und in der Natur (Schnaps und Honig gibts auch, außerdem Ferienwohnungen: http://www.weinbau-huber.de). Es macht Spaß, ihre Weine zu trinken. Man ist gerne bei ihnen zu Gast. Immer Wieder. Weil man nicht genug kriegen kann. Da Capo eben!

Schnellverkostung: 2012 Villa Heynburg Grauburgunder QbA trocken

2012 Villa Heynburg Grauer Burgunder QbA tro.

2012 Villa Heynburg Grauer Burgunder QbA tro.

Grauer Burgunder, 2012, einer aus der Villa Heynburg, Kappelrodeck. Strömt recht mächtig aus dem Glas. Im Geruch zeigt er sofort Format. Deutlich rauchige Noten, Butter im Vordergrund, sonst recht mineralisch-kühl, stoffig. Schwebend im Holz. Auch die Erinnerung an Grapefruit finde ich.

Im Mund sofort machtvolles Getöse, daß die Waffen klappern und die Rüstung dröhnt. Ein kerniger Typ ist das, der mich da beeindruckt. Kühle Mineralität. Große Frische, kräftig und satt ist er. Sehr muskulös im Gaumen, mit floralen Gesten. Aromen von Apfel, Kräutern. Recht laut im Finale. Langes Leuchten im Gaumensegel, sehr angenehm. Stramm ist er, dieser Graue Burgunder. Das muß auch sein, denn bei den kraftvollen Aromen vom Bärlauch, den ich heute als Suppe habe, verblüht ein leichtes Weinchen schnell. Wer was Mächtiges zur Suppe mag, ist hier gut aufgehoben.